Schwere Lasten im Beton befestigen: Schwerlastanker und Betonschraube

Schwere Lasten im Beton befestigen: Schwerlastanker und Betonschraube

Wenn größere Bauprojekte anstehen, verlangen Statik und örtliche Gegebenheiten kraftvolle Verbindungen. Schwerlastanker und Betonschrauben werden überall dort verwendet, wo es Dinge an Beton zu befestigen gilt.
Zusätzlich kommen sie ins Spiel, wenn die Brandschutzverordnungen diese Befestigungsart vorschreibt.

Klassische Fälle für Betonschrauben und Schwerlastanker (auch Bolzenanker genannt):

  • die Befestigung von Pfostenträgern auf einem Betonsockel oder einer Bodenplatte
  • der Metallwinkel an der Betonwand
  • die Fußpfette (unterer Abschluss des Daches) auf dem Ringanker
  • Metallgeländer an einer Betontreppe
  • Balkenschuhe an einer Betonwand
  • Abgehangene Deckenkonstruktionen mit Brandschutzanspruch

WICHTIG
Da sie für die Befestigung von schweren Gegenständen eingesetzt werden, deren Herunterfallen/Lösen zur Gefahr für Leib und Leben werden können, muss die richtige Auswahl und Verarbeitung beachtet werden. 


Worauf zu achten ist:

  • Wähle Dübel von namhaften Hersteller wie Fischer oder Upat.
  • Beachte die Vorgaben in deiner Statik.
  • Wenn Du dir nicht sicher bist, ob die Konstruktion hält suche im Idealfall einen Statiker auf.
  • Alternativ kannst du dich an den Support von Fischer wenden – dieser darf Aussagen darüber treffen, welcher Dübel eingesetzt werden sollte.
  • Schaue in die Verarbeitungshinweise auf der Herstellerseite.
  • Der Dübel muss die richtige ETA-Zulassung (European Technical Approval) für deine Anwendung haben.
  • Die ETA-Zulassung gibt beispielsweise an, für welchen Untergrund der Dübel zugelassen ist.
  • Der Typ und die Beschaffenheit des Untergrunds müssen klar sein (Beton, Vollstein usw.).

Was ist ein Schwerlastanker (Metallspreizdübel)?

Metallspreizdübel von Fischer, mit Erklärung aus welchen Abschnitten er besteht.
  1. Einschlagkopf
  2. Sechskantmutter
  3. Unterlegscheibe
  4. Gewinde
  5. Spreizclip
  6. Konusbolzen

Bitte beachten: Die Konstruktion der Schwerlastanker kann variieren. Bei der hier gezeigten Bauart wird der Spreizclip (5) durch den Konusbolzen (6) gespreizt. Dieser wandert durch das Andrehen der Mutter immer weiter nach oben und drückt den Spreizclip auseinander.

Schwerlastanker werden häufig bei der Montage auf Betonböden und in nicht sichtbaren Bereichen verwendet. Der große Vorteil liegt in der möglichen Justierung des befestigten Gegenstands. Es ist möglich die Mutter abzuschrauben und beispielsweise einen Geländerpfosten zu tauschen, ohne die Verbindung im Beton zu lösen.

Was ist die Klemmstärke?

Die Klemmstärke gibt den Bereich an in welchem ein Gegenstand mit dem jeweiligen Schwerlastanker befestigt werden kann. Ein Holzbalken mit 10x10cm, der auf einer Betonplatte befestigt werden soll, benötigt mindestens eine Klemmstärke von 100mm.

Schaubild eines montierten Schwerlastankers von Fischer

WICHTIG
Die Klemmstärke wird ab dem tragenden Material berechnet: Wandaufbauten, wie Putz und Dämmung, müssen bei der Klemmstärke zum Anbauartikel hinzugerechnet werden.


Wie montiere ich einen Schwerlastanker?

Auch bei der Montage gibt es einige Dinge zu beachten:
Zunächst solltest du den Untergrund prüfen und kontrollieren ob die ETA-Zulassung wirklich passt.
Der Betonbohrer muss den gleichen Durchmesser haben wie der Metallspreizdübel. Das bedeutet: M12 Dübel = M12 Bohrer.

Anschließend prüfe noch einmal ob die Abstandsmaße und Randabstände eingehalten werden. Dabei solltest du dich an die Herstellervorgaben halten und nicht auf dein Bauchgefühl hören.

Hast du dass alles erledigt, geht es endlich an die Montage der Schwerlastanker:

  • Setze den Bohrer ,, gerade“ an. Das Bohrloch sollte möglichst gerade werden, damit der Dübel später richtig packen kann. Am Besten nutzt du hierfür einen neuen “scharfen” Bohrer – das macht es leichter.
  • Bohre das Loch mit einer Mindesttiefe des gesamten Dübels und ziehe den Bohrer währenddessen mehrfach rein und raus, um die Bohrlochwände möglichst glatt zu bekommen.

  • Reinige das Bohrloch zuerst grob mit einer Bohrlochbürste und nutze anschließend den Ausbläser um den Staub aus dem Bohrloch zu pusten. Wiederhole den Ablauf 2-3 Mal.                                 

Wichtig
Bei Nichteinhaltung des Reinigungsvorgangs, kann sich die Tragkraft um bis zu 70% verringern.


  • Setze den Dübel gerade auf das Loch.
  • Drehe die Mutter ein Stück auf das Gewinde, sodass der Kopf des Dübels noch frei ist.
  • Schlage den Dübel mit einem Hammer in das Bohrloch bis zum Ende ein.

Wichtig
Versuche die Mutter nicht zu erwischen, da diese sich sonst im Gewinde verkanten kann und der Dübel sich anschließend im Ganzen dreht. Resultat: Der Dübel klemmt nicht mehr und muss wahrscheinlich mit der Flex abgeschnitten werden.


  • Nehme einen Steck-, Maulschlüssel, eine Ratsche mit entsprechender Nuss oder einen Drehmomentschlüssel um die Mutter richtig anzuziehen.
  • Drehe die Mutter an, bis der Dübel den gewünschten Halt hat. Beachte das richtige Drehmoment in der Montageanleitung.

Was ist eine Betonschraube?

Fischer Betonschraube in Edelstahl

Die Betonschraube ist eine schöne Alternative zu den herkömmlichen Metallspreizdübeln:

Der Schraubenschaft ist mit einem speziellen Grobgewinde versehen, welches sich in den Beton schneidet.

Es gibt sie mit verschiedenen Schraubenköpfen, wie beispielsweise einem Sechskant-, Senk-, Panhead- oder auch Flachkopf. Je nach Einsatzzweck kann also ein entsprechender Schraubenkopf gewählt werden.

Für die Montage werden handelsübliche Torx-Bits oder Sechskantnüsse benötigt. Es werden keine weiteren Setzwerkzeuge wie ein Hammer benötigt.

Auch bei Betonschrauben müssen statische Nachweise und die ETA-Zulassungen beachtet werden.
Nicht durch die ETA zugelassen ist die Verwendung der Betonschrauben in Mauerwerken wie Mauerziegel, Kalksandstein und Porenbeton.

Schaubild von einem Drehschlagschrauber

Es wird ein entsprechender Drehschlagschrauber benötigt, um die Betonschrauben in das Bohrloch einzudrehen.
Ein normaler Akkuschrauber mit Schlagfunktion (Schlag nach Vorne) ist leider nicht geeignet.

Das maximal zulässige Drehmoment ist meist in der Montageanleitung des Schraubenherstellers vermerkt.

Die Schrauben können auch ohne Probleme wieder gelöst werden, um beispielsweise das befestigte Werkstück nachträglich auszurichten. Hierbei gilt es zu beachten, dass die Schraube max. zwei Mal bis zu 20 mm herausgedreht werden darf für die Justierungen. Die maximal zulässige Dicke einer Unterfütterung beträgt 10 mm.

Betonschrauben können zudem komplett wieder herausgedreht werden: So bieten sie sich insbesondere für vorübergehende oder provisorische Montagen an. Eine Wiederverwendbarkeit der Schraube lässt sich mit einer entsprechenden Prüfhülse testen – welche im DIY-Bereich aber kaum zur Anwendung kommt.

Wie montiere ich eine Betonschraube?

Natürlich muss auch bei der Betonschraube zunächst der Untergrund geprüft werden. Zudem sollte überprüft werden ob die ETA-Zulassung wirklich passt und ob die Abstandsmaße und Randabstände (Herstellervorgaben) eingehalten werden.

Wie beim Metallspreizdübel muss der Bohrer den gleichen Durchmesser haben wie die Betonschraube. Das bedeutet: M12 Dübel = M12 Bohrer.

Hast du dass alles erledigt, geht es an die Montage der Betonschraube:


Tipp
Bei Stahlbeton: Bohrer mit vier Schneiden verwenden (verkantet nicht so leicht)


  • Die Bohrlochtiefe sollte 10 mm tiefer sein, als der Gewindeanteil der Schraube im Beton.
  • Empfehlung: Bei Bohrungen in den Boden; Bohrlochtiefe um 3-fachen Bohrerdurchmesser erhöhen
  • Bohrung gerade auf die nötige Tiefe durchführen
  • Bohrloch mit Industriesauger, Ausbläser oder Bohrlochbürste säubern (entfällt bei Bohrung in der Decke)
  • Betonschraube gerade in das Bohrloch setzen
  • Mit Schlagschrauber und entsprechender Nuss bzw. Torx-Bit eindrehen (max. Drehmoment beachten)
  • Der Schraubenkopf muss bündig am Anbauteil anliegen
  • Die Schraube darf sich nach der Montage nicht weiterdrehen lassen (Schraube greift dann nicht in dem Untergrund)

Metallspreizdübel vs. Betonschraube

Beide Varianten bieten bei der Montage schwerer Anbauteilen festen Halt in Beton und im Einzelfall auch im Mauerwerk.

Vorteile des Metallspreizdübels:

  • Die Mutter kann wieder gelöst werden um das Anbauteil auszutauschen.
  • Er kann auf dem gesamten Weg im Bohrloch Halt finden.
  • Auch wenn sich der Metallspreizdübel nicht ganz in das Bohrloch eintreiben lässt, so kann er doch montiert werden und das Anbauteile befestigt werden.
    Wichtig: Die Mindesteinstecktiefe (in der Anleitung vorgegeben) darf dabei nicht unterschritten werden, weil der Beton sonst abplatzen kann.
  • Der Bereich in dem die Mutter im Gewinde packt ist relativ groß.
  • Der überstehende Gewindeanteil kann bündig mit einem Winkelschleifer abgeschnitten werden.

Nachteile des Metallspreizdübels:

  • Etwas aufwendigere Montage mit dem Hammer und Drehmomentschlüssel sowie die Gefahr, die Mutter durch einen verkehrten Hammerschlag zu verkanten.
  • Lässt sich bei der Demontage nicht herausziehen und muss abgeschnitten werden.  
  • Nicht für Montagen im Randbereich und Platten geeignet, da durch das Spreizen ein hoher Druck entsteht, der den Beton abplatzen lässt. Auch die Abstände zwischen den Schwerlastankern sind in der Montageanleitung vorgegeben.            

Vorteile der Betonschraube:

  • Viele verschiedene Schraubenköpfe bieten für fast jede Anwendung einen optisch ansprechenden und dennoch sicheren Halt.
  • Die Montage kann schneller erfolgen und es wird weniger Werkzeug benötigt.
  • Dank der geringen Spreizwirkung kann sie in Randbereichen eingesetzt werden.
  • Sie kann wieder herausgeschraubt werden und bietet sich deshalb vor allem für temporäre Montagen an.
  • Unter bestimmten Voraussetzung kann die Schraube sogar wiederverwendet werden.

Nachteile der Betonschraube:

  • Da die Schraube nur zwei Mal um 20 mm herausgedreht werden darf (ohne an Haltekraft zu verlieren), gestaltet sich ein Austausch des Anbauteils als schwierig.
  • Die Bohrlöcher sind nicht wieder verwendbar, da das Schneiden mehrerer Gewindegänge die Haltekraft schwächt.
  • Zudem bedarf es eines Drehschlagschrauber, den nicht unbedingt jeder DIY-ler in seiner Werkstatt hat.

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